Coronazeiten & Ausgangsbeschränkungen

 … betreffen wohl jeden in ganz anderer Weise. 

Da gab es Familien und Paare, die auf engem Raum in ihren Wohnungen rund um die Uhr miteinander auskommen mussten und sich nach persönlicher Rückzugsmöglichkeit sehnten und dann gab es Menschen wie mich, die alleine in ihrer Wohnung leben und während der Ausgangsbeschränkung fast nur noch Zeit mit sich selbst verbrachten.

Da kommen doch so einige Emotionen hoch. 

Ich bin leider, wie schon so oft in früheren Blogbeiträgen beschrieben, der Charakter „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ und dies oft im rasanten Wechsel. 

Manchmal stehe ich morgens glücklich auf und danke Gott für meine wunderbare Wohnung und mein gutes Leben. Ein andermal wache ich ohne erstmal ersichtlichen Grund in einer depressiven Stimmung auf, die mir vermittelt mich wirklich einsam zu fühlen. Der Gang nach draußen in der Zeit der Ausgangsbeschränkung verstärkte noch das Gefühl der Vereinsamung und schuf manchmal eine Art Endzeitstimmung – die ich auf den eindrucksvollen Bildern des menschenleeren Münchens vor ca. einem Monat festhalten musste.

Um mir ein wenig Glück ins Haus zu holen, entschied ich mich für einen wöchentlich liefernden Blumenservice (bloomon), welcher mir in „kontaktloser Übergabe“ die wundervollen Blütenkompositionen vor die Tür legte … dies war das kleine bzw. große Highlight meiner Coronazeit.
Und so entschloss ich mich, meinen liebsten, ebenfalls alleine lebenden Mädels auch einen Blumenstrauß liefern zu lassen und habe mich unheimlich über deren glückliches, vollkommen überraschtes Feedback bei mir gefreut. Die schönste Freude ist doch die, die man teilt!

Campino – wie Ihr im letzten Beitrag lesen konntet, der neue kleine Mann an meiner Seite – fehlte mir gerade jetzt unendlich.

Für seine Ankunft aus dem spanischen Tierheim hier in Deutschland wäre der 28.3. geplant gewesen. Leider fiel dieses Datum genau in die beginnenden Grenzsperrungen und so konnte mein kleiner Herzensmann nicht mehr zu mir reisen. Ihr könnt Euch vielleicht denken, wie es mir damit erging.

Ich war unendlich traurig, da ich durch noch mehr Homeoffice und die Ausgangsbeschränkungen doch sehr viel Zeit mit ihm hätte verbringen können und das sogar in schönster Zweisamkeit. Oft hadere ich mit solchen Schicksalsentscheidungen, die ich nicht beeinflussen kann. Auch die Gedanken an die Tatsache, dass sich niemand wirklich entschieden hat, an meiner Seite mit mir zusammen zu leben, jeden Tag neben mir aufzuwachen und einzuschlafen, war während dieser Coronazeit fast unerträglich für mich …

Ich habe mich endlich, 2 Jahre nach Bradys Tod, entschieden, einem einsamen Hundeseelchen diese Geborgenheit bei mir zu schenken, die ich mir selbst auch sehnlichst wünsche und das ist das schönste Glücksgefühl, das ich mir vorstellen kann.

Und vielleicht hatte diese Phase der doppelt so stark empfundenen Einsamkeit wie an den „normalen“ Tagen, dann doch irgendeinen Sinn, der mir erst später bewusst wird und zukünftige Entscheidungen beeinflusst und stärkt.

Ich versuche dem Leben zu vertrauen.
Ich versuche den Menschen zu vertrauen.
Bei Hunden ist das für mich kein Problem.

Was mich besonders freut, ist der Einfluss des Einzugs Campinos in meinem Leben und auf meinem Blog – denn im Grunde zieht sich meine blöde Schreib-Blockade ja bis heute hin. Doch ich bin überzeugt, sie ist nun da, die große Wende!