Ein neuer Gefährte für mein Schwesterherz – Gast-Beitrag meiner Schwester Kristina

Aus Gründen, die Ihr im folgenden Beitrag lesen werdet, hat nun meine Schwester Kristina die ersten Worte zum Einzug meines neuen, lockigen Begleiters verfasst. Wunderbar geschrieben und, ihre Gedanken auch für mich selbst, eine wertvolle Inspiration. Danke von ganzem Herzen, mein geliebtes Schwester♥!

Ein neuer Gefährte für mein Schwesterherz

Campino ist eingezogen, die Übergabe vom Tierschutz am 9. Mai 2020 ist gut gelaufen und der kleine Mischlingsmann aus vermutlich Pudel, Cocker Spaniel und Terrier gut in München angekommen. Wir freuen uns über den Familienzuwachs und der kleine Locken-Eisbär ist schnell ins Herz geschlossen.

Noch immer kein Blogpost?

Aber heute ist schon der 20. Mai und mein Schwesterherz hat noch nichts auf ihrem Blog zum Einzug des neuen Gefährten geschrieben? Mich wundert der ausbleibende Blogpost nicht, denn etwas anders als gedacht, ist für Campino die Umstellung vom spanischen Tierheim auf ein Münchener Hundeleben ganz und gar nicht einfach. Auch jeder Hund ist wie jeder Mensch ein einzigartiges Individuum mit einer ganz besonderen Lebensgeschichte und speziellen Erfahrungen, die ihn prägen. Campino ist ja auch immerhin schon 5 Jahre, d.h. seine Prägungen dauern schon länger an als die eines Brady oder meiner Luna (beide waren ca. 11 Monate, als sie von Spanien nach München kamen).

Campino am ersten Tag in seinem neuen Zuhause: Schlafen, schlafen, schlafen … ;-)

Auch plötzliche Nähe und Aufmerksamkeit kann einen überfordern

Für mich ist es auch insofern interessant, als ich gerade das sehr gute Buch „Biologie der Angst“ von einem meiner Lieblingsautoren Gerald Hüther lese. Einiges, was in diesem Buch steht, trifft nicht nur auf uns Menschen zu, sondern natürlich auch auf unsere liebsten Vierbeiner. Für Campino ist alles das, was jetzt auf ihn einprasselt und plötzlich sein Alltag ist, einfach viel zu viel und er hat auch keine passenden Verhaltensweisen dafür gelernt. Und so steigerten sich offensichtlich innerhalb der ersten zwei Wochen all die Eindrücke zu solch starken Reizen für ihn, dass er öfter mal mit Knurren anzeigte, dass er gestresst ist; begleitet von Beschwichtigungsgesten, so dass sein Verhalten aufs Erste irritierend wirkte. Dieser kleine Hundemann braucht also erstmal Ruhe, auch Abstand zwischendurch, und viel Eingewöhnungszeit. Er ist einem Hundeleben wie es für Brady und Luna ganz normal war und ist, einfach noch nicht gewachsen.

Campino, der Therapeut

Da ich in der Familie wohl diejenige bin, die immer tiefer gräbt als die anderen und mich aufgrund eigener Lebenserfahrungen seit ein paar Jahren mit Themen wie übernommene Verhaltensmuster, Angst, Stress, Wut etc. beschäftige, bin ich der festen Überzeugung, dass Campino Claudinchens bester Therapeut werden wird und ihr zeigt, was jetzt in der zweiten Lebenshälfte auf dem Lehrplan steht.

Sie hat ihn zu sich geholt, weil es IHR Wunsch war und weil sie endlich einmal wieder etwas tun und entscheiden wollte, das SIE SELBST wirklich möchte und nicht die anderen, von denen sie möchte, dass die sich so fühlen, dass alles in Ordnung ist. Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber so sind wir. Ich bin nämlich genauso und unser Thema in der zweiten Lebenshälfte ist ähnlich, auch wenn es nach außen hin anders aussehen mag.

Den eigenen Platz einnehmen

Warum auch immer es so ist, unsere Prägung ist, dass wir im Grunde ständig mit unserer Aufmerksamkeit im Außen sind, was die anderen wollen, denken, wünschen, erwarten und für gut heißen. Noch bevor wir in der Lage sind, unsere eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu sortieren und dementsprechend zu handeln, sind wir schon beim Gegenüber. Mit dem Resultat, dass wir bei niemandem sind. Denn wer nicht bei sich selbst ist, kann auch nicht beim anderen sein. Und wer spürte das besser als ein Hund an unserer Seite? Campino braucht einen Menschen, der weiß, wo sein Platz ist, dann findet Campino auch seinen Platz und den Halt, den er jetzt braucht.

Sie machen sich jetzt zusammen auf den Weg

Ich wünsche meiner Schwester, dass sie diesen Weg zu sich selbst ab jetzt mutig und vertrauensvoll geht. Und ich bin mir sicher, dass Campino ihr ein guter Begleiter sein wird, der sie schnell daran erinnern wird, wenn sie vom Weg abkommt. Die Reise hat begonnen. Und ich rate allen, die weiterhin mit den beiden gehen wollen, nicht zu unterschätzen, wie schwach sie selbst sind in ihrer vermeintlichen Stärke. Denn meistens haben die nach außen hin besonders Starken nur die besten Verdrängungsstrategien. Campino ist kein Verdrängungskünstler, er ist ein Sensibler.

Wer selbst seine Sensibilität und Lebendigkeit zu verdrängen gelernt hat, damit andere in ihrer Komfortzone bleiben können, bekommt irgendwann etwas, das ihm die Augen öffnet und endlich für ihn selbst einstehen lässt.

Für mein Schwesterherz, so hoffe ich, ist der Augenöffner nun CAMPINO.

 

Alles Liebe
Eure Kristina

1 Kommentar zu “Ein neuer Gefährte für mein Schwesterherz – Gast-Beitrag meiner Schwester Kristina

  1. Hallo Ihr Zwei,

    mein erster Eindruck: Hier hat einer ganz großes Glück gehabt und fühlt sich, wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben, total sicher und entspannt.

    Was er braucht, das ist in erster Linie Ruhe, Gelassenheit, keine Hektik (denn die macht oft alle Bemühungen zunichte). Ruhe hatten wir doch alle in den letzten Wochen und konnten diese Ruhe und Gelassenheit einüben.

    Du Kristina, hast einen wirklich schönen Artikel geschrieben. Und du Claudia,
    hast nun die Verantwortung für Campino. Ihr werdet es genießen können. Alles Gute für Euch!

    Herzliche Grüße, Edith

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