Kennt Ihr Väterchen Timofejs Kleinod abseits des Münchner Tollwood-Trubels?

2004 verstorben, gehörte der russische Eremit mit seinen 110 Jahren zu den ältesten Münchnern und hinterlies uns seinen, laut Ex-Bürgermeister Christian Ude, liebenswertesten Schwarzbau Münchens“ im heutigen Olympia-Gelände. Durch den Krieg vertrieben, erreichte er 1952 mit seiner späteren Frau Natascha die bayrische Hauptstadt und baute dort aus Kriegsschutt mit eigenen Händen und ihrer Hilfe im Laufe seines Lebens zwei Wohnhäuser, eine Kapelle und eine Kirche. 

Timofej-Wohnhaus

Günstigste Materialien schaffen einen Charme
dem sich kaum einer entziehen kann

Sie verwendeten alles was sie nichts kostete und andere entsorgten, massenhaft alte Heiligen- und Marienbilder – welche jeden Flecken weiße Wand mit Motiven bedecken – bis hin zu Silberpapier (in das Schokolade bis heute oft noch verpackt wird), mit welchem sie ihre komplette Kirchendecke versilberten. Und ich muss wirklich sagen, es ist unheimlich schön darunter zu stehen. Es muss also nicht immer teuer sein, was glänzt und Freude bringt.

Gelebt wurde von eigenem Kartoffel- und Gemüseanbau um ihre kleinen Häuschen herum. Die Kirche wurde Ost-West-Friedenskirche genannt, nachdem die Münchner Einwohner gegen seine geplante Vertreibung zum Bau für die Olympischen Spiele, auf die Barrikaden gingen und so seine Umsiedlung und den Abriss derselben verhinderten. Bis heute gilt der Ort als Wahrzeichen von München und hält das Andenken wach, an den Methusalem vom Oberwiesenfeld“ oder sogenannten „Olympia-Eremiten“.

Timofej_Ost-West-Friedenskirche

Ein magischer Ort zieht uns in seinen Bann

Soviel zur wahren Begebenheit dieses verzaubert-scheinenden, leisen Ortes direkt neben dem lauten Tollwood-Festivals. Ein kleiner Eingang, den so mancher Münchner nicht einmal kennt und daran in der Hektik des Fests glatt vorbeiläuft, entführt uns in diese magische Welt, in der die Zeit still zu stehen scheint. 

Jedes Jahr wieder mache ich einen Abstecher dort hinein und dieses hatte ich besonders Glück: Die Fußball-EM hielt die Menschen so vor den Leinwänden und in den EM-Locations, dass ich ganz alleine entlang der Wege von Haus zu Haus und zu der kleinen Kirche schlenderte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, endlich ungestört dort verweilen zu dürfen und habe dabei meine Eindrücke für Euch festgehalten, um auch Euch ein klein wenig den magischen Bann widerzuspiegeln, der einen dort umgibt und die Achtsamkeit für jedes kleinste Detail wie von selbst in uns entstehen lässt. Zum meditativen „Runterkommen“ für jeden gestressten Münchner ein wahrer (Geheim-)Tipp!

Alles Liebe und nehmt Euch ab und an eine Auszeit!

Herzchen Claudia

8 Kommentare zu “Kennt Ihr Väterchen Timofejs Kleinod abseits des Münchner Tollwood-Trubels?

  1. Constanze

    Das ist ja wirklich ein richtiges Kleinod. Wunderschön. Und ich bin tatsächlich nächste Woche in München. Ist das Gelände frei zugänglich oder nur zu bestimmten Zeiten geöffnet?

    • Liebe Constanze,
      auf dem Eingangs-Schild steht „täglich geöffnet“! Das Tollwood-Festival geht noch bis 24. Juli – das kann ich Dir sehr empfehlen und genau da ist auch das Timofej-Museum.
      Viel Spaß in München!
      Claudia

  2. Angela Troch

    Liebe Claudia, wie zauberhaft, vielen Dank für Diesen wunderbaren Geheimtipp.
    Das will ich mal erleben, und dabei ganz fest an Dich denken.
    Lieber Gruß vom Ammersee
    Angie

  3. Liebe Claudia,
    als ich eben das Foto vom Innenleben der kleinen Kirche gesehen habe waren meine Gedanken….Oh…da gibt es ja so viel zu bestaunen….zu gerne würde ich mir das auch einmal ansehen! Auch das Häuschen…soooo romantisch…idyllisch gelegen…
    Ein kleines Schmuckstückchen!!!
    Dort so ganz ruhig ein Stündchen verbringen…das würde mir schon gefallen .o)!!!

    Ganz, ganz viele liebe Grüße,
    Gerda

    • Liebe Gerda,
      wenn Du dort ein Stündchen verbringen würdest, würde ich sehr gerne neben Dir sitzen!
      Schweigend und in sich horchend – und hinterher in ein Café gehen und ganz viel mit Dir reden! ;-)
      Irgendwann klappt das ganz bestimmt, dass wir Beide uns persönlich kennenlernen!

      Allerliebste Grüße,
      Claudia

  4. Liebe Claudia,
    ich hoffe…wünsche mir…irgendwann werden wir beide das machen!
    Genau in der Reihenfolge wie Du es geschrieben hast :o)))
    Alles Liebe für Dich,
    Gerda

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