„Loslassen“ ist wohl das Geheimnis eines glücklichen, erfüllten Lebens

Letztes Wochenende saß ich mit meiner Schwester gemütlich am Frühstückstisch, als ich ihr erzählte, dass ich die Zeitschrift „ma vie“ unbedingt noch in meinem Blog empfehlen möchte, weil sie wirklich von der ersten bis zur letzten Seite genau meinen momentanen Nerv trifft. Sie blätterte durch das Magazin, kam zu dem wunderbaren Artikel über eine Frau, die auswanderte, ein neues Leben mit Huskyhunden im Norden zu verbringen und blieb an einem Satz hängen:
„Wenn Du spürst, wo Du wirklich hingehörst, dann solltest Du einfach gehen.“

Einer der Gründe für mich, die „ma vie“ zu kaufen, war genau dieser Artikel, der mir beim Überfliegen sofort ins Auge fiel: Ein ganz anderes Leben leben – mit Huskyschlitten und einem Hunde-Rudel durch verschneite Landschaften fahren – ja förmlich zu „fliegen“ – ist, seit ich denken kann, ein besonderer Traum von mir. Doch das einzige, was mir – selbst einigermaßen überraschend – beim Hören dieser wahren Worte über die Lippen kam, war der spontane Ausspruch:
„Ich spüre, ich gehöre genau hierhin, wo ich gerade bin!“

Am Tag davor sah ich mir noch bei Facebook die Bilder eines ausgewanderten Bekannten und seiner Freundin an. Bei diesem Anblick träumte ich ein wenig vor mich hin; die Beiden fahren von einem Traumland ins nächste – Mauritius, Bali, Sansibar – sie wohnen dort für 3 bis 6 Monate und ziehen dann wieder weiter. Keine Verpflichtung, das Geld zum Leben verdienen über einen Online-Shop, ein ganz neues Leben führen … bedeutet aber auch keine Familie und keine Freunde in der Nähe zu haben. Auf Bali wohnen die Beiden jetzt mit einigen Katzen zusammen – es würde mir das Herz brechen, wenn ich diese lieb gewonnen hätte und sie nach einem halben Jahr auf „Nimmerwiedersehen“ verlassen müsste. Das würde mich micht glücklich machen und trifft für mich nicht mein Verständnis von loslassen.

„Loslassen“ heißt für mich nicht zu flüchten – „Loslassen“ heißt für mich, sich unter anderem freizumachen von der Vorstellung, woanders wäre das Leben ein Besseres und zu sehen, was alles im jetzigen Leben schon wunderbar ist, wir es nur nicht ausreichend beachten oder – in unserer westlichen Art immer Größeres zu wollen – zu würdigen wissen.

Meinen Traum mich mit Tieren verbunden zu fühlen oder eine Zeit lang im asiatischen Kulturkreis zu verbringen, werde ich mir natürlich trotzdem erfüllen … Träume zu haben und sie irgendwann in die Realität umzusetzen, ist schließlich immer erlaubt!

Ma Vie_Loslassen_2
Die Zeitschrift „ma vie“ ist besonders geeignet für ein paar Stunden entspannten, inspirierenden Lesens bei einem gemütlichen Sonntagsfrühstück ;-) … in Layout, Texten und Bildern ein genial gelungenes Heft!

„Loslassen“ heißt für mich nicht mehr länger an alten Vorstellungen zu hängen – die ich mein Leben lang mit mir schleppte – die mir die Sicht auf das Eigentliche mehr vernebelten, als das Glück zu verheißen, das ich mir davon versprach.

Ein Beispiel dazu: Seit ich denken kann, möchte ich Künstlerin sein – eigene große Ölbilder von Frauen und ihrer Verbindung zu anderen Lebewesen / Tieren malen. Ich sah vor Augen bereits meine fertigen Bildmotive und schaffte es trotz einigem Talents nicht, sie genau so auf die Leinwand zu bringen. Von perfektionistischem Gedankengut geleitet, bedeutet dies einen kläglichen, verachtenswerten Zustand, der dazu führte, dass ich bevor ich den Pinsel in die Hand nahm, schon von Versagensängsten geplagt wurde und mir das, was ich eigentlich als meine Berufung im Leben sah, mir bald keine Freude mehr bereitete und ich in vielen Jahren nur sehr wenige Bilder zu Stande brachte.
Vergessen habe ich diese Traumvorstellung meiner Künstler-Persönlichkeit aber nie – haderte mit mir selbst, meinem Schicksal, kein Kunststudium absolviert, sondern den Weg der Grafikdesignerin in Werbeagenturen eingeschlagen zu haben. Ich konnte für mich einfach keinen Wert in dem finden, was ich tat. Über Jahrzehnte sah ich mein einziges Wollen nur darin, endlich diese Blockade zu überwinden und ein Wahnsinns-Bild zu malen, das mir zeigte, dass die Künstlerin in mir noch lebte.

Erst kurz vor Weihnachten wollte ich einem besonderen Freund ein besonderes Bild malen (das ich seit langem in meinem Kopf trage) – es wäre eine Herzensangelegenheit gewesen, ihm dieses zu überreichen. Er fuhr über Weihnachten in Urlaub und ich schrieb ihm folgendes, um mich zu motivieren, um nicht mehr auszukönnen: Wenn ich nach Deiner Rückkehr kein Bild für Dich habe, werde ich der Tatsache endlich ins Auge sehen, dass ich nicht mehr malen werde und eben doch „nur“ Bloggerin und Grafikdesignerin bin. Denn genau da komme ich in den FLOW, den ich mir immer als Malerin mit Stift & Pinsel gewünscht hatte und der damit niemals eintrat. Ich konnte nur keinen großen Wert im Grafikdesign am Mac erkennen und im Führen eines Blogs, der zudem kein Geld einbringt.

Was soll ich sagen, ich hatte kein Bild für einen der wertvollsten, wichtigsten Menschen in meinem Leben, dafür ein richtig schlechtes Gewissen und er sagte daraufhin nur zu mir – in seiner liebevollen, unvergleichlichen Art: „Du musst kein Bild malen um etwas zu beweisen, weder für Dich noch für mich.“ Eine Woche darauf, erzählte ich ihm total entspannt, dass ich jetzt endlich loslassen konnte.
Es ist passiert! Warum genau jetzt, weiß ich eigentlich auch nicht wirklich, aber ich habe es geschafft! Ich habe es nach 30 Jahren Kampf mit mir selbst geschafft – nicht die Blockade zum Malen zu lösen – sondern etwas loszulassen, das immer nur in meinem Kopf wichtig schien, sich eingebrannt hatte, wie ein falscher Glaubenssatz, der einem nicht hilft sondern nur schadet, wenn man ihm folgt.

Ich war noch nie so motiviert in meinem Leben, habe noch nie meine eigentlichen Talente so geliebt und geschätzt wie heute! Ja, ich bin Bloggerin mit Herz & Seele – ich liebe meinen Blog – ob er nun 5 oder 5000 Follower hat. Sch… auf die Anzahl von Followern bei Facebook, Sch… auf eine Gesellschaft, die uns vermitteln will, dass alles nur Wert hat, wenn möglichst viele Menschen folgen. Unser menschlicher, emotionaler Wert wird doch nicht an der Anzahl von „Likes“ gemessen – die sich viele in unserer heutigen Welt sogar mit Geld erkaufen.
Ich bin glücklich, über jeden einzelnen Besucher, dem meine Zeilen hier etwas geben; ihn in seinem Alltag zu anderen Gedanken und Einsichten beflügeln oder einfach nur glücklich machen, beim Anblick der Fotos meiner kleinen, persönlichen Welt.

Ich bin jetzt 45, habe eine schwere Krankheit überstanden und ich kenne endlich meinen Wert! Jeder ist nur soviel Wert, wie er sich selbst zuzugestehen in der Lage ist – niemand anders ist dafür zuständig und kann uns das geben!

Noch ein allseits bekanntes Phänomen zum Thema „Loslassen“: Denkt an Frauen, die nie schwanger wurden, weil sie es so sehr wollten – kaum haben sie losgelassen, weil ein Gefühl der Aussichtslosigkeit eintrat, haben sich stattdessen mit der beruflichen oder sonstigen Verwirklichung beschäftigt – schwupp, schon kam die Schwangerschaft und das Baby wie von selbst!

„Loslassen“ kann in gedanklicher Hinsicht oder auch in der realen Welt von Gegenständen eine Bedeutung haben. „Alles was Du besitzt, besitzt irgendwann Dich.“ Wenn es soweit ist, dass Du Dir darüber klar geworden bist, nachdem Du dachtest, Du wirst nur glücklich, wenn Du Dir dies und jenes noch gekauft hast … dann ist es auch an der Zeit an Dingen loszulassen.
Eines bedingt nicht das andere und auch die Reihenfolge ist bei jedem anders – wenn Du aber merkst, es ist soweit: Dein Tag der Erkenntnis ist gekommen … dann lasse einfach los!!!! „Wer fliegen möchte, muss dazu Ballast abwerfen“, ist etwas das jeder, der schon mit einem Heißluftballon geflogen ist, bestätigen kann.

Noch ein interessanter Gedanke kommt mir da zum Abschluss in den Sinn: Die Ausnahme des Erfolgs durch Visualisierung (die wir von den „Wünschen ans Universum“ und den Verheißungen der Erfolgs-Coaches kennen) ist somit der Körper. Wenn es um äußere Umstände geht – wir uns einen eigenen Garten wünschen, eine berufliche Veränderung oder ein eigenes Haus – ist das „Visualisieren“ das beste Mittel zur Verwirklichung des angestrebten Traums. Wenn es aber um körperliche Dinge geht – wie schwanger zu werden, Blockaden zu lösen – ist es meines Erachtens das „Loslassen“.

Sternchen Claudia

4 Kommentare zu “„Loslassen“ ist wohl das Geheimnis eines glücklichen, erfüllten Lebens

  1. Wow! Da musste ganz schön was raus ;-)

    Dem letzten Gedanken widerspreche ich: Visualisieren und Loslassen sind kein Widerspruch. Eine Herzens-Vision zu haben und dabei gelassen im Hier und Jetzt leben, ohne zukunftsorientiert auf ein Ziel hinzuarbeiten – das ist meines Erachtens eine gute Art lebendig zu leben.

    Da ist nichts getrennt, weil nichts wirklich getrennt ist. Alles hängt mit allem zusammen.

    Bussi ❤️

  2. Liebe Claudia,

    für mich bist Du eine Künstlerin… in so vielen Bereichen :-)

    Und ich hatte Gänsehaut beim Lesen… Deine Worte haben so vieles in mir ausgelöst:

    Endlich die Vorstellung davon, was man gerne wäre, ziehen zu lassen … und dann, nach diesem mutigen Schritt (so sehe ich es), zu spüren, was man wirklich ist, einfach so … ohne anstrengen… Wow… das kenne ich. Das macht so unendlich frei!! Findest Du nicht auch?

    Ich drück Dich!!
    Anja

    • Liebste Anja,
      ich hatte Tränen in den Augen beim Lesen Deines Kommentars.
      Ich danke Dir so sehr!

      Mir geht es beim Lesen Deines Blogs nicht anders: Gänsehaut – weil Du das Leben einfach so wundervoll beschreibst …

      Und für alle, die noch nicht reingeschaut haben, hier nochmal meine Empfehlung für Deinen Blog: Lebenistansteckend
      (Einen Link dazu gibt es in meiner „Sidebar“ unter den Blog-Empfehlungen!).

      Von ganzem Herzen,
      Claudia

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