Herr Rossi sucht das Glück – Glaubenssätze aus unserer Kindheit ​

Letztens saß ich mit Freunden im Auto und jeder rief begeistert die Fernsehserien in die Runde, die er als Kind am Liebsten hatte oder die sein Leben in irgendeiner Weise beeinflußten. Keine Ahnung wie wir darauf kamen. Doch, jetzt weiß ich´s wieder, meine Freundin Carmen sang ganz plötzlich den Soundtrack zu Calimero mit Sombrero und entfachte damit dieses lustige Intermezzo.
Wir zählten viele auf, die unser Leben der Kindheit bewegten. Von Flipper, Lassie, über Raumschiff Enterprise hin zu Bezaubernde Jeannie und natürlich – für die meisten Mädchen nicht wegzudenken – Pippi Langstrumpf, sowie meine persönliche Lieblings-Zeichentrickserie: Meister Eder und sein Pumuckl.

Und plötzlich kam ich auf Herr Rossi sucht das Glück. Ein Mann, der mit seinem klapprigen Wohnwagen und seinem treuen Hund unterwegs ist, das Glück in seinem eigentlich sehr unbedeutenden Leben zu suchen.

Ich glaube mich zu erinnern, dass niemand ihn für wichtig hielt, nur der Vierbeiner war von Anfang bis Ende der einzige Begleiter an seiner Seite. Und so versuchte er in einer nicht enden wollenden Abfolge von Reisen, etwas zu finden, das ihn beglückt und sein Leben lebenswert und wichtig werden lässt.
Ich denke dabei an eine Zeile aus der Anfangssequenz: „Herr Rossi sucht das Glück, sucht vom Glück ein kleines Stück …“
Manchmal frage ich mich, ob ich das nicht zu sehr verinnerlicht habe, „nur“ das kleine Glück zu suchen, weil das große den anderen vorbehalten zu sein scheint. Heute denke ich mir, im Grunde stecken in dieser Serie ganz viele negative Glaubenssätze, die nicht wirklich gut sind, verinnerlicht zu werden. Klar bin ich ein Mensch, der sich über Kleinigkeiten wirklich freuen kann und das finde ich selbst auch eine der wirklich besten Eigenschaften an mir, mit welcher ich sehr gut im Stande bin Lebenskrisen, wie Krankheit und Verlust in positiver Weise zu meistern.
Dabei kommen in mir zwei grundunterschiedliche Fragen auf:
Kommt man im Leben voran, wenn man immer schon glücklich ist, mit dem was sich einem gerade bietet? Bringt uns das gesellschaftliche und somit das materielle „Vorankommen“ wirklich das gewünschte Glück?
Manchmal denke ich, diese eigentlich untadelige Eigenschaft der „Achtsamkeit auf das Glück im kleinsten Detail“ hält mich nur davon ab, erfolgreicher zu sein im Leben.

Wie wahr ist eigentlich der Satz: Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach?

Früher glaubte ich daran; heute sehe ich darin nur wieder das Implizieren eines Glaubenssatzes, der uns – aus welchen Gründen auch immer – klein halten soll; denn wer sagt uns, dass es nicht ganz einfach sein kann – mit ein wenig mehr Selbstvertrauen – das Dach zu erklimmen und auch die Taube zu bekommen?

Von Windmühlen & anderen Hamsterrädern

Da fällt mir doch gleich noch eine Charakterfigur ein, die auch heute noch negativ behaftete Erinnerungen in mir auszulösen vermag: Die Zeichentrickfigur Don Quichotte.
Ich hasste diese Serie, in der ein Mensch immer und in jeder Folge gegen Windmühlen kämpft und nichts daraus lernt. Ich sah mir diese Folgen als Kind trotzdem viele Male an, um zu sehen ob der „dumme“ Mann nicht endlich mal was lernt und anders macht. Doch er schaffte es in gefühlten hundert Folgen nicht, ein anderer zu werden.
In meinem erwachsenen Leben kämpfe ich nun auch mit einigen „Windmühlen“, die ich nicht zu bezwingen in der Lage bin und im besten Falle schaffe, einige dieser verdammten Dinger an manchen Tagen erfolgreich zu umschiffen – an anderen wiederum leider nicht. Womöglich hasse ich diese Erzählung genau aus diesem Grund, weil ein kleiner Don Quichote in mir steckt, den ich selbst versuche mit mehr oder weniger Erfolg in mir zu eliminieren.
Vielleicht ist aber auch gerade diese Verdrängungs- / Umschiffungs-Taktik mein eigentliches Problem … vielleicht wäre es manchmal besser ein Mensch zu werden, der ab und an etwas lautstark niederzureissen in Lage ist, anstatt still leidend ewig daran auszubessern, wo schon zu große Risse entstanden?!
Vielleicht werden wir aber genau dann glücklich, wenn wir nicht im Kampf versuchen etwas Ungeliebtes zu vernichten, das uns manchmal so mächtig erscheint, als würde es unser Leben regieren – egal ob es durch uns selbst oder Umstände von außen in unseren Alltag gebracht wird.
Mit Liebe betrachtet lebt sich alles leichter. Vielleicht sollte ich auch Frieden machen, mit den Dämonen in mir und den Außeneinflüssen, die diese zeitweilig noch größer werden lassen und seit ich denken kann schlimme Migräneattacken bei mir verursachen.
So wie in einer guten Meditation, sollte ich die dunklen Wolken im Geiste kommen lassen, wenn ich sie schon nicht ausschalten kann, sie als existent akzeptieren, kurz in Liebe betrachten, aber nicht für mich annehmen, ihnen auf gar keinen Fall die Macht überlassen groß zu werden.
Einer meiner engsten Freunde sagte letztens schmunzelnd lächelnd in diesem Zusammenhang zu mir: „Gehe in Liebe Deinen eigenen Weg; … habe ich vor Kurzem erst wieder gelesen.“ (Danke, Jörg. Manchmal braucht es einen anderen achtsamen Menschen in unserem Leben, um wieder zu den eigenen Werten zurückzufinden!)
Und das aller kurioseste kommt jetzt am Schluß; und das gibt mir nochmal ganz schön zu denken:

Alles was ich eben über Herrn Rossi schrieb, ist nur in meinem eigenen Kopf so verankert!

Als ich nämlich auf YouTube den Trailer zu Herrn Rossi suchte, um ihn hier zu teilen, musste ich feststellen, dass ich wohl meine ganz eigene Erinnerung damit verbinde und die Schlüsse, die ich damals aus dieser Serie gezogen, verinnerlicht und bis heute damit verbunden habe, komplett nicht richtig sind!
Herr Rossi wurde in Zeiten des Wirtschaftswachstums gedreht. Herr Rossi ist das genaue Gegenteil, von meiner Erinnerung.
Es heißt überhaupt nicht: „Herr Rossi sucht das Glück, sucht vom Glück ein kleines Stück …“ sondern ganz im Gegenteil: „… denn es fehlt ein Stück vom Glück. Herr Rossi möcht noch mehr … so ein Auto macht was her, …. mal wie Reiche sich benehmen, in der Spielbank Geld ausgeben … „
Der Sprecher tönt dabei aus dem Off: „Andere können alles haben, können sich an Feinstem laben und von eben diesen Gaben möcht Herr Rossi auch was haben.“
Vielleicht empfand ich es damals auch schon nicht als den wirklichen Sinn des Lebens, immer mehr an materiellen Dingen zu wollen und nie mit dem glücklich zu sein, was wir haben oder uns nicht mit schnödem Mammon erkaufen können. So dass ich in meinem Kopf die Fähigkeit das Glück „im Kleinen“ überhaupt sehen zu können, als ein ganz besonders wertvolles Fazit daraus verankerte.
Ich finde diese Erkenntnis gerade ziemlich amüsant und sehr aufschlussreich.

Wie dem auch sei … ich bin ein achtsamer Mensch, der in großer Hingabe und Dankbarkeit schätzt, was um ihn herum passiert und ich weiß für mich ganz tief in meinem Herzen, es erfordert nie das große Geld, um wunderbare Dinge zu fühlen und zu sehen. Das spüre ich jede Minute meines Lebens, in der ich mich auf das Leben selbst einlasse!

Das Wichtigste für mich ist grundsätzlich immer, mir die Zeit nehmen zu können, in mich hineinzuhören und zu erkennen, was wirklich aus meiner Seele, meinem eigenen Innersten, meinem Herzen kommt. Es ist für mich als empathischer, liebender Mensch oft garnicht so leicht, bei all den Außeneinflüssen wirklich zu ergründen und festzustellen, was die eigenen Bedürfnisse und die der anderen sind.
Was zählt ist alleine die Freiheit sein zu dürfen wie wir sind. Uns die Möglichkeit zu nehmen unsere Träume zu verfolgen und nicht zu resignieren, wenn dies schwierig oder gar unmöglich erscheint. Wünsche und Forderungen, die nicht aus uns selbst herauskommen, sondern durch andere in uns eingepflanzt werden, zu erkennen und nicht zu unserem Inhalt werden zu lassen!
Habt einen wunderbaren Herbst, meine lieben Freundinnen im Herzen und genießt ihn hingebungsvoll mit all jenen, die ihr liebt!

 

 

6 Kommentare zu “Herr Rossi sucht das Glück – Glaubenssätze aus unserer Kindheit ​

  1. Liebe Claudia,

    ja, da bewundere ich dich, dass du wirklich versuchst alles in Liebe zu lösen. Da bin ich ein klein wenig anders.

    Natürlich würde ich nie den Respekt oder das Taktgefühl fallen lassen, aber – wenn ich eine Angelegenheit für richtig erachte, dann werde ich auch nach meiner Meinung handeln. Schon als Kind galt ich sicher als nicht so lieb, weil ich meistens sehr wahrheitslieb gewesen bin und das bin ich auch heute noch. Nicht, dass du mich falsch verstehst – ich bin nicht rechthaberisch, aber – ich hasse Ungerechtigkeiten sakrisch. Und das sage ich auch. In meiner Generation war das ja auch noch einen Touch schwieriger. Noch dazu erzogen in einer kirchlichen Schule. Das habe ich alles hinterfragt und ich könnte bequem ein Buch über so manches schreiben.

    Aber du, bleib wie du bist. Es gibt auch keine Schablonen wie man zu sein hat. Am meisten hat mich übrigens immer die Aussage auf die Palme gebracht: Ja mei, des isch halt so! Nix ist halt so.

    Mit meinen Kindern musste ich mir immer „Wicki, den Wikinger“ anschauen, und dann – zur Strafe – später mit den Enkeln. Aber da war ich ja schon altersmilde.

    Lieben Gruß, Edith

    • Meine liebe Edith,
      ich finde Deine Kommentare immer herrlich und ich möchte mich bei Dir hierfür bedanken; selbst wenn ich nicht immer dazu komme zu antworten oder nicht so ausführlich, wie ich gerne hätte.
      „Nix is halt so…“ ist wahr zu 100%!
      Die liebe Monika Gruber (bayerische Kabarettistin) pflegt dazu zu sagen:
      „Scheiß da nix, dann fehlt da nix.“
      Ich halte mich weitestgehend daran; zumindest in der Form, in der es keinem Anderem weh tut.

      Lieben Gruß und einen schönen Oktober,
      Claudia

  2. Johanna Riederer

    Altern ist ein besonderer Prozess,
    bei dem du der Mensch wirst,
    der du schon immer hättest sein sollen.

    David Bowie

    Guten Morgen, liebe Claudia,
    das habe ich im SZ Magazin gelesen. Ich denke, du bist auf gutem Wege!
    Ganz nahe und liebe Grüße
    Hanni

  3. Hallo Schwesterherz

    Jetzt dachte ich, ich habe schon soviel geschrieben in meinem letzten Blogpost, aber gegen Dich bin ich ja noch kurz gefasst…hihi….

    Ich merke, uns treiben im Grunde die gleichen Fragen um bzw. an in letzter Zeit. Dazu finde ich das David Bowie Zitat von Hanni sehr passend!

    Sehr interessant, was Du da zu Herrn Rossi schreibst. Denn das habe ich genauso in Erinnerung. Muss an unserer „Kinderstube“ liegen nach dem Motto: Bescheidenheit ist eine Zier… Ja und nein, würde ich heute sagen. Mal sehen, was wir in zehn weiteren Jahren dazu sagen.

    Schöne Woche!
    Kristina

    • Hallo mein Schwesterherz,
      manchmal müssen die Wörter & Gedanken einfach raus … egal ob es jemand liest oder nicht ;-)
      Heute lag ich mit Migräne flach und so hatte ich (als es Nachmittags besser wurde) endlich wieder die Zeit in Deinem Blog auf http://www.mandalavision.de zu lesen. Erstaunlich, oder auch nicht, wie ähnlich unsere Fragen sind. Nur komplett anders ausgedrückt. ;-)
      Bin gespannt, was wir in 10 Jahren dazugelernt haben, was unsere Leben dann bewegt und wer uns dabei begleitet. In jedem Falle freue ich mich dies alles mit Dir an meiner Seite zu erleben. Umarme Dich, Claudia

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