Ausflug zum Schliersee


Das Wasmeier Freilichtmuseum

… in Schliersee war am vergangenen Wochenende die Traum-Location der Geburtstagsfeier eines guten Freundes. Bei eiskalter, aber traumhaft sonniger Winterstimmung gab es mehrere Events „durch die gute, alte Zeit“ dieser Bergregion; angefangen bei einer wirklich interessanten, spannend gehaltenen Führung durch das Freilichtmuseum und die dort aufgebauten Original-Bauernhöfe (aus der bayrischen Region abgetragene und Stein für Stein bzw. Holz für Holz wieder errichtete, traditionelle Bauernhäuser aus dem 18. Jahrhundert) über Bier- und Schnapsbrauen inklusive Verkostung, das Schmieden einer Speerspitze bis hin zum Backen eines Sauerteigbrotes bzw. vieler kleiner, selbst hergestellter Sauerteigsemmeln in einem echten alten Steinofen. Allein schon der köstliche Duft, der sich in den anliegenden Wirtshausräumen verbreitete …

Die damalige Zeit war wirklich alles andere als schön; wer daran denkt, dass es irgendwie romantisch oder ein besonders bewusstes Leben mit der Natur gewesen wäre – wie wir es uns als „Büromenschen“ aus unserem verklärten Blickwinkel vielleicht wünschen würden – der  irrt und sollte sich diese Führung unbedingt einmal angedeihen lassen.

In einem der uralten Höfe sind originalgetreue Räume – Schlaf- und Aufenthaltsräume, im Winter eisigkalt – der Bauersleute und ihres Gesindes erhalten. Winzige Stuben, in denen die Leute eng an eng am Tisch saßen und in vorgegebener Reihenfolge ihr Mahl zu sich nahmen. Zuerst der Bauer, dann die Bäuerin, hinterher die Knechte und Mägde und ganz am Ende die armen Kinder – die tatsächlich bei der damaligen Armut in der Alpenregion am Ende nur noch vor der leeren Schale saßen und oft nur noch aus Haut und Knochen bestanden und somit die Sterblichkeit unter ihnen extrem hoch war.

Es gibt auch böse, aber wahre Sprüche aus dieser Zeit: „Ist die Frau gestorben, macht‘s dem Bauer keine Sorgen – ist das Ross am Verrecken (Sterben), kriegt er einen großen Schrecken.“ oder „Die Liab (Liebe) vergeht – Hektar besteht.“

Die Menschen früher waren gepeinigt von tausend Ängsten, z.B. der „Drudn“ – ein weiblicher böser Geist, der jede Gestalt annehmen konnte, auch die von Rauch, der z.B. unter dem Türschlitz ins Haus wehen konnte; man hatte also kaum eine Chance ihr zu entkommen.

Als Schutz davor, gab es über jeder Eingangstür ein „Drudnkreuz“ (auf dem Foto oben, neben der Museumsführerin über der Tür zu sehen). In den Bauerngärten standen die auch heute allseits beliebten spiegelnden, farbigen Rosenkugeln; auf dass sich die bösen Geister, wie die „Drudn“, vor ihrem eigenen Anblick so erschreckten, dass sie augenblicklich zur Hölle fahren mochten.

Die Betten der Menschen waren nur ca. 1,60 Meter lang, nicht weil die Menschen so klein waren, sondern weil sie – geprägt von schweren Lungenschäden (verursacht durch die Rauchschwaden ihrer, in den winzigen Aufenthaltsräumen gelegenen, offenen Feuerstätten) – in ihren Betten sitzend schliefen. Da sie im Liegen noch schwerer atmen konnten, hatten sie Angst die „Drudn“ würde sich sonst auf sie setzen und sie im Schlaf ersticken.

Schaurige, alte Zeit, kann ich da nur sagen! Und welches Glück, dass wir heute geboren sind und nicht mehr so leben müssen. Das gehört auch zur Achtsamkeit; sich immer wieder klar zu machen, wie gut es uns doch heute geht. Die herzliche Museumsführerin betonte „wie gut, vor allem für uns Frauen, heute geboren zu sein“ – und da kann ich ihr nur beipflichten. Also Mädels, leben und genießen wir unsere emanzipierte Freiheit!*

Wenn Ihr in der Gegend seid, vor allem auch mit Kindern, schaut doch dort vorbei – es ist wirklich einen Besuch wert!

Und hier bekommt Ihr weitere Informationen zum Wasmeier Museum in Schliersee.

* … und an dieser Stelle möchte ich gerne zwei wahnsinnig nette Frauen grüßen, über deren Bekanntschaft ich mich an diesem Wochenende wirklich sehr gefreut habe:

Steffi (ich denke an Dich und schicke Dir heilsame, positive Energien für die bevorstehende Zeit!) und Sabine (es war ein Vergnügen sich mit Dir zu unterhalten!).

6 Kommentare zu “Ausflug zum Schliersee

  1. Johanna Riederer

    Hei, liebe Claudia,

    wie wahr, dass die gute alte Zeit gar nicht sooo gut war, besonders für die Frauen. Es ist ein Privileg in dieser Zeit an diesem Ort zu leben. Wenn ich höre und sehe, was Menschen alles ertragen müssen, bin ich sehr dankbar hier zu leben und dich als Nachbarin zu haben. Freue mich immer, wenn es neues auf deinem Blog gibt.

    Eine ganz schöne Woche und liebe Grüße

    Hanni

    • Meine liebste Hanni,
      wir beide wohnen wirklich wahnsinnig schön, das stimmt. Und ein ganz besonders wichtiger Aspekt beim guten Wohnen sind wahrlich liebe Nachbarn! Was nützt einem der schönste Ort auf Erden, wenn ein unangenehmer Mensch einem diesen zunichte macht.
      Dir, meiner liebsten Nachbarin und inzwischen guten Freundin, auch eine schöne Woche!

  2. Liebe Claudia,
    was für ein schöner und kluger Beric ht über das Museum und unser Glück, heute zu leben. Ich empfand es auch als großes Glück, dich kennengelernt zu haben und freue mich auf weitere inspirierende Treffen!
    Alles Liebe
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      da hüpft mein Herz vor Glück! Ich danke Dir für Deine wundervollen Komplimente und freue mich sehr Dich bald wieder zu sehen!
      Deshalb heißt mein Blog übrigens „Schwesternwerk“, für „Schwestern im Herzen“, ein Gefühl das ich vom ersten Moment unseres Kennenlernens empfand; noch bevor mir dämmerte, was für eine erfolgreiche Frau ich da vor mir hatte.
      Alles Liebe ❤ und bis bald,
      Claudia

  3. Vera Schöllhorn

    Hi Claudia.
    Vielen Dank für die wunderbaren Bilder aus der Heimat. Sie tun mir gut, jetzt wo ich erstmal eine andere Luft schnuppere, hier in Barcelona. Heimat, ist mein Bayern für mich und wird es immer bleiben. Meine Familie und meine Freunde. Die Berge, die blau-grünen Seen, die schönen Wirtshäuser und der Englische Garten. In der Ferne, spüre ich noch mehr, mein Herz schlagen. Das ist schon eine neue, sinnliche Erfahrung für mich. Das Wasmeier Museum werde ich noch besuchen, bisher war ich nur in der Glentleit’n am Kochelsee.
    Buenos Noches Guapa,
    Vera

    • Hallo Vera,
      liebe Grüße also von dahoam!
      Genieß erst mal das wunderschöne Barcelona und nimm dann die unvergesslichen Eindrücke wieder mit zurück in die Heimat!
      Alles Liebe, Claudia

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